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Was wäre, wenn jede Stimme für ein Lebensjahr stünde?

25. September 2026

berlinwahlendaten
Berlin-Wahl 2026: amtliches und nach Restlebenszeit gewichtetes Ergebnis

Politische Entscheidungen wirken über Jahrzehnte. Wer 20 ist, lebt mit den Folgen statistisch sechzig Jahre, wer 75 ist, deutlich kürzer. Das Gedankenexperiment dazu: Was wäre, wenn bei der Berliner Wahl am 20. September nicht jede Person eine Stimme gehabt hätte, sondern jedes verbleibende Lebensjahr?

Zweitstimmen in Prozent. Grau das vorläufige amtliche Ergebnis, blau jede Stimme gewichtet mit den Jahren bis zur mittleren Lebenserwartung, mindestens fünf. Eigene Berechnung.

Die Linke käme auf 32,0 statt 25,7 Prozent, die CDU auf 13,6 statt 18,8. Die SPD fiele von 12,1 auf 9,5 Prozent. Grüne und FDP legen leicht zu, die AfD verliert einen Punkt. An der Fünfprozenthürde ändert sich nichts: Das BSW bleibt knapp darunter, die FDP klar.

Folgenreicher ist, was das für Mehrheiten heißt. Linke und Grüne kämen zusammen auf 55 Prozent der Stimmen, die für Sitze zählen, und könnten allein regieren. Amtlich sind es 45,9 Prozent. Ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen hätte dagegen keine Mehrheit mehr: 44,5 statt 51,9 Prozent.

Der Grund ist das Altersgefälle. Bei den 25- bis 34-Jährigen hat die Linke 49 Prozent geholt, die CDU 6. Bei den über 70-Jährigen ist es umgekehrt: CDU 33, SPD 21, Linke 15.2tagesschau / infratest dimap: Grafiken und Analysen zur Berlin-Wahl 2026 Die AfD bewegt sich kaum, weil sie ihr stärkstes Ergebnis in der Mitte hat, bei den 45- bis 69-Jährigen.

Methodik

Ausgangspunkt ist das vorläufige Zweitstimmenergebnis der Landeswahlleiterin, aufsummiert aus 2.542 Urnen- und 1.572 Briefwahlbezirken.1Landeswahlleiterin Berlin: Abgeordnetenhauswahl 2026, vorläufiges Ergebnis Das Wahlverhalten nach Alter stammt aus der Nachwahlbefragung von infratest dimap mit 22.725 Befragten in 180 Wahllokalen: Stimmanteile je Partei in sechs Altersgruppen und die Zusammensetzung der Wählerschaft nach diesen Gruppen.2tagesschau / infratest dimap: Grafiken und Analysen zur Berlin-Wahl 20263tagesschau: Analyse der Abgeordnetenhauswahl in Berlin

Restjahre. Jede Stimme zählt so viel wie die Jahre, die der wählenden Person bis zur mittleren Lebenserwartung bleiben. Das sind 81,2 Jahre, der Mittelwert aus Männern und Frauen in Berlin laut Sterbetafel 2023/2025.4Destatis: Sterbetafel 2023/2025 Wer älter ist, bekommt trotzdem fünf Jahre angerechnet. Das ist eine Legislaturperiode, und wer noch zur Wahl geht, erlebt sie in aller Regel auch.

Altersgruppen. Innerhalb jeder Befragungsgruppe wird nach der tatsächlichen Berliner Altersverteilung der Deutschen gemittelt, aus dem Einwohnerregister vom 30. Juni 2026.5Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregisterstatistik 30.06.2026 Damit ergeben sich im Schnitt 60,6 Restjahre für die 16- bis 24-Jährigen, 51,1 für 25 bis 34, 41,3 für 35 bis 44, 28,7 für 45 bis 59, 16,5 für 60 bis 69 und 6,2 für die über 70-Jährigen.

Kalibrierung. Die Befragung trifft das amtliche Ergebnis nicht exakt. Damit die Differenz nur die Gewichtung misst und keine Umfrageabweichung, wird das amtliche Ergebnis jeder Partei mit dem Verhältnis aus gewichtetem und ungewichtetem Befragungsanteil multipliziert und danach wieder auf 100 Prozent gebracht.

Gegenprobe. Mit der ferneren Lebenserwartung aus der Sterbetafel statt einer festen Grenze bekommen Ältere mehr Restjahre, die über 70-Jährigen im Schnitt zehn. Das Bild bleibt gleich, der Effekt fällt etwas schwächer aus: Linke 31,2, CDU 14,3, SPD 9,8 Prozent.

Grenzen. Die Altersanteile sind Schätzungen aus einer Stichprobe und auf ganze Prozent gerundet, keine Individualdaten der 1,85 Millionen Wählenden. Die Sonstigen sind in der Befragung nur der Rest auf 100 und entsprechend unscharf. Das Ergebnis ist vorläufig.

Quellen

  1. Landeswahlleiterin Berlin: Abgeordnetenhauswahl 2026, vorläufiges Ergebnis wahlen-berlin.de
  2. tagesschau / infratest dimap: Grafiken und Analysen zur Berlin-Wahl 2026 tagesschau.de
  3. tagesschau: Analyse der Abgeordnetenhauswahl in Berlin tagesschau.de
  4. Destatis: Sterbetafel 2023/2025 destatis.de
  5. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregisterstatistik 30.06.2026 statistik-berlin-brandenburg.de